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Gästebeitrag für Verwandte

Viele Leserbriefe erreichten die Redaktion

Sehr geehrte Leser, in der letzten Ausgabe berichteten wir über die Situation und den Umgang mit dem Gästebeitrag für Verwandte, der bereits im Sommer 2018 durch eine Satzungsänderung fest verankert wurde und seitdem die Borkumer Bevölkerung beschäftigt.

Diesen Eindruck haben wir durch die Vielzahl an Rückmeldungen an die Redaktion oder durch Reaktionen auf unseren Facebook-Eintrag gewonnen. Vor allem die Leserbriefe haben uns gezeigt, hier einen Nerv getroffen zu haben.

Viele Leser haben sich ausführlich und konstruktiv mit dem Thema auseinandergesetzt und uns ihre Meinung geschrieben, Kritik geübt, aber auch neue Ideen kundgetan. Wenngleich auch jeder Leserbrief sehr individuell, also mit einer persönlichen Geschichte verbunden ist, sind sich die meisten im Grunde einig. Damit bilden die vielen Einzelaussagen zum Gästebeitrag für Verwandte somit eine öffentliche Meinung, in der Gemeinsamkeiten, Tendenzen und Beurteilungen sichtbar werden.

Die Reaktionen in den sozialen Medien sprechen für sich, auch wenn sie typischerweise etwas kürzer und rauer, mitunter auch sehr direkt ausgefallen sind. Hier sind auszugsweise einige Facebook Antworten: „Traurig, wenn die Kinder zu Besuch kommen und wie Fremde behandelt werden.“ „Gästebeitrag, um mit meinen Enkeln Spielemöglichkeiten zu nutzen. Das gibt es auf keiner Insel.“ „Als gebürtige Borkumerin fühle ich mich verarscht, dass ich beim Besuch meiner Mutter in meiner Heimat Gästebeitrag für die Nutzung einer Einrichtung zahle. Bin gespannt, wann das Ticket für den Strand eingeführt wird.“ „Es geht doch, wie immer, nur ums Geld.“

In vielen Reaktionen spürt man das Unverständnis und den Unmut über die Regelung. Die Facebook Kommentare vermitteln insgesamt ein Gefühl der breiten Ablehnung, die sich in den Leserbriefen fortsetzt. Viele beschrieben im Detail ihre Sichtweise und haben sich dadurch an der öffentlichen Meinungsbildung beteiligt. Dies waren vor allem gebürtige Borkumer, die ihre Eltern besuchen oder alteingesessene Borkumer, die ihre Kinder besuchen. Sämtliche Namen sind der Redaktion bekannt, werden jedoch aus persönlichen Gründen nicht veröffentlicht.

So schrieb man uns, dass gerade Butenbörkumer die kulturellen Veranstaltungen (Heimatmuseum, Theater oder Up de Walvis etc.) als Freundes- und Familientreffen nutzen und diese als Teil der gelebten Borkumer Identität sehen. Widerspricht dies nicht der in der Satzung formulierten Aussage, dass bei den von der Gästebeitragspflicht befreiten Personen von einer Nutzungsmöglichkeit oder -wahrscheinlichkeit für Tourismuseinrichtungen oder -veranstaltungen nicht auszugehen ist? Wollen Butenbörkumer nicht auch gerne eine Theateraufführung besuchen oder einfach mal ins Schwimmbad gehen?

So bestätigt uns ebenfalls eine jahrzehntelange Borkumerin, mittlerweile auf dem Festland lebend, diesen Eindruck. Es sei natürlich schön für den Familienverbund, wenn sie bei einem Verwandtenbesuch ihrer hier lebenden Kinder das Gezeitenland besuchen oder einer Veranstaltung beiwohnen, bei der sogar ihre Kinder oder Enkelkinder mitmachen.

In solchen Momenten fühlt sich der dann erhobene Gästebeitrag für Verwandte wie ein Schildbürgerstreich an. Sie erweitert die Fragestellung noch darum, warum das Schwimmbad, die Sauna, eine Veranstaltung der Niederdeutschen Bühne überhaupt touristische Attraktionen sein können und das Gezeitenland z. B. nicht als „normales“ Angebot für alle gelten sollte.

Für die Redaktion ist bemerkenswert, dass sich bisher keiner „für“ den Gästebeitrag für Verwandte eingesetzt hat. Es hat Seltenheitswert, dass sich bei einem so komplexen und sensiblen Thema nur Gegner und keine Fürsprecher zu Wort melden. Allen Kommentaren und Rückmeldungen gemein ist, dass die derzeitige Regelung ein Schritt in die falsche Richtung ist und entgegen einer bürgerfreundlichen Verwaltung das Gefühl regiert, gegen die Insulaner und ihre Familien vorzugehen. Weiterhin spricht aus allen Rückmeldungen die Frustration über die Abwicklung und nicht zu Ende gedachte Bürokratie, wobei sich im Umkehrschluss viele für eine Gäste- oder Verwandtencard aussprechen und begeistern könnten.

Ebenfalls gibt es Unverständnis darüber, warum Borkum als einzige der sieben ostfriesischen Inseln den Weg dieser Regelung gewählt hat. Dass dazu neue Gesetzesänderungen, wie die DSGVO, herangezogen wurden, um vom Grundsatz gästebeitragsbefreite Personen in diesen Verwaltungsakt zu zwängen, ist eine Sache. Eine andere ist es, das auch klar und einfach zu beantworten. Nach wie vor liegt uns bisher keine für den Laien verständliche Begründung zur Satzungsänderung vor.

Eine Überraschung auch für die Redaktion ist, dass in den meisten der Lesebriefe das Verständnis und die Bereitschaft für eine finanzielle Beteiligung am Gästebeitrag geäußert werden, wenn diese z. B. wie auf Norderney funktionierte. Dort zahlen Verwandte einmalig einen Pauschalbeitrag von 10,00 € pro Jahr. „So entsteht das gute Gefühl sich beteiligt zu haben, während gleichzeitig die Bürokratie übersichtlich und schlank gestaltet bleibt und obendrein mit dem Besitz der Verwandtencard die Identität und der Stolz der Karteneigentümer verstärkt wird.“, erfuhren wir in einem Gespräch mit der Tourismuseinrichtung in Norderney.

Manche gehen in ihren Leserbriefen gar noch einen Schritt weiter und stellen den gesamten Prozess des Gästebeitrags in Frage. Keine der Inseln tut damit so schwer wie Borkum. Der Gast bemerkt von dieser Sache nicht viel, denn er genießt zu Recht eine komfortable Abwicklung. Nur auf Borkum haben die Vermieter die Arbeit der An- und Abmeldung, für die sie auch bei der Richtigkeit der Angaben Sorge tragen. Die Arbeit liegt nicht bei der Verwaltung

In ähnlicher Weise erspart sich diese durch die Abschaffung der Gästekarte und Einführung des Gästebeitrags für Verwandte den Aufwand für die bisherigen An- und Abmeldung für ohnehin „gästebeitragsbefreite“ Personen ein.

Verwandte und ihre Familien(-vermieter) müssen nun aktiv werden, wenn sie an einer touristischen Aktion und Vorführung teilnehmen wollen, um den Gästebeitrag zu entrichten.

Ob die Abschaffung des einen mit der Einführung des anderen sinnvoll zu Ende gedacht ist, bleibt ein Rätsel. Dieses setzt sich auch fort, wenn es um die Überprüfung zum Eintritt einer touristischen Veranstaltung geht. Mehrfach wird in den Leserbriefen darauf verwiesen, dass dies für Verwandte nur mit der für diesen Tag erworbenen Gästebeitragsbestätigung (Zettel und Stempel) in Verbindung mit einem Ausweis geht. Nur bei den Insulanern selbst funktioniert das offensichtlich reibungslos, sofern man seine Identität mit dem Personalausweis oder einem Insulanernachweis beim Eintritt zu einer touristischen Attraktion nachweisen kann. Gerne wird dafür auch der Insulanerausweis der AG „EMS“ genutzt, obwohl dieser Ausweis ausschließlich für die Ermäßigung der Fähre gedacht ist.

Insgesamt bleibt durch die vielen Leserreaktionen der Eindruck bestehen, dass die Prozesse und die Organisation rund um das Thema Gästebeitrag ungerecht, kompliziert und altbacken sind. Eine Optimierung und zeitgemäße Umsetzung, verbunden mit einer klaren Vision für die Borkumer, ihre Angehörigen auf dem Festland oder sogar für alle Besucher dieser Insel, sind das kommunizierte Echo der vielen Rückmeldungen in die Redaktion. So sollten Ideen, wie die Borkum (Verwandten)-Card und/oder eine Borkum-App inkl. Bezahloption in zukünftigen Diskussionen nicht ausgeschlossen werden. Ob auf Grundlage der allgemeinen Stimmung die Motivation zum Nachdenken und Handeln entfacht wird oder alles beim Alten bleibt, wird sich zeigen.

Borkum-Aktuell – Das Inselmagazin, würde sich darüber freuen, wenn sich auch die Verwaltung der Diskussion stellt. Es bleibt zu hoffen, dass der Unmut in Teilen der Borkumer Bevölkerung und deren Verwandten auf dem Festland wahr- und ernst genommen wird. Es wäre schön eingebunden zu werden und mehr darüber zu erfahren, ob es ein weiteres Vorgehen, Ideen zur Überarbeitung der Satzung oder einer allgemeinen Änderung der Handhabung gibt.

Wir danken allen Lesern, die uns mit ihren Briefen eine Vielzahl an Rückmeldungen und Ideen beschert haben. Sie können uns weiterhin gerne ihre Meinung per Mail, Post oder auf Facebook mitteilen.

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