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Der große Inselvergleich

Logistikkosten (Transfer & Gästebeitragskosten)

Vergleiche helfen bei Entscheidungen. Schwierig wird nur es, wenn die Faktoren und Voraussetzungen zu komplex oder unterschiedlich sind. Wir haben uns der Aufgabe angenommen und als Grundlage zum vorangegangenen Artikel zum „Gästebeitrag für Verwandte“ und als Antwort auf die vielen Redaktionsanfragen versucht, alle sieben Inseln miteinander zu vergleichen.

Jetzt könnte manch einer sagen, die ostfriesischen Inseln sind doch eh alle gleich. Doch so vielfältig, wie die Inseln in ihrer Beschaffenheit und Natur selbst sind, stellen sich auch die Anreise, die organisatorischen Voraussetzungen, die Verwaltung, die touristischen Angebote und nicht zuletzt die damit verbundenen Gästebeiträge höchst unterschiedlich dar. Wer unsere schönen Inseln besuchen will, kommt ja in der Regel am Fährticket und dem Gästebeitrag nicht vorbei.

Um ein vergleichbares Bild über die sogenannten „logistischen Kosten“, die Transfer- und Gästebeitragskosten zu erschaffen, sind die unterschiedlichen Rahmenbedingungen auf ein minimales Maß reduziert. Aufgrund der Komplexität ist eine Aufstellung unter Berücksichtigung aller Aspekte aller sieben Inseln nicht durchführ- und darstellbar, z. B. allein schon nicht bei der Option ein Auto mitzunehmen oder bei der Ermäßigung je nach Grad der Behinderung. Dadurch liegt der Fokus in unseren Beispielen auf der Anreise einer Familie (mit Kindern) in der Hauptzeit ohne Auto in der jeweils teuersten Kurbeitragszone als vergleichbare Größe. Alle anderen Optionen bleiben außen vor.

Die Beitragskosten für die kleinsten Besucher z.B. sind frei. Zwischen dem sechsten Lebensjahr bis zur Volljährigkeit ergeben sich allerdings erhebliche Unterschiede beim Berechnungsansatz. Gleiches gilt für die Fährtickets, sogar schon ab dem vierten Lebensjahr. In der Regel dürfen so Kinder bis sechs (außer Borkum ab vier) kostenlos auf die Inseln fahren. Das Parken auf dem Festland ist durch Änderungen für 2019 für alle Inseln im Schnitt gleich teuer.

Während auf drei Inseln der Kurbeitrag erst ab einem Alter von 12 bzw. 13 Jahren beginnt, bitten die anderen Inseln schon ab dem sechsten Lebensjahr zur Kasse. Borkum ist die einzige Insel, auf der ab dem zweiten Kind die Gästebeitragsfreiheit gilt. Der Kur- oder Gästebeitrag in der Hauptsaison für Erwachsene liegt im Inselvergleich bei einer maximalen Differenz von 40 Cent und ist damit recht ausgewogen.

In der Tabelle sind drei Fallbeispiele für eine Woche Urlaub durchgerechnet. Für eine Familie ohne oder mit Kindern, die ihr Auto auf dem Festland parken und die Fähre nutzen, ergeben sich je nach Alter der Kinder (4/6 und 12/14 Jahre) unterschiedliche Ergebnisse.

Bei den Gesamtkosten ist Borkum insgesamt Spitzenreiter. Hauchdünn gefolgt von Juist und auch Wangerooge, die ihre Preisstruktur für 2019 geändert haben und Borkum nahezu ebenbürtig sind. Die Ergebnisse der anderen Inseln fallen moderater aus. Die zweitgrößte Insel Norderney ist im Vergleich die günstigste Option. Dabei fallen Differenzen von ca. 40 – 65 € zwischen der günstigsten und teuersten Variante für eine Woche Inselurlaub auf, die manchen potenziellen Gast rechnen lassen könnten.

Der direkte Vergleich und die Tabelle verdeutlichen, dass Norderney hier aufgrund der günstigen Fährtickets einen Vorteil hat. Borkum ist trotz der weitesten Entfernung nur minimal teurer als die anderen Mitbewerber. Bei dem Durchschnittswert aller Inseln für die Logistikkosten liegt Borkum bei Familien mit Kindern etwa 14 Prozent, bei einem Urlaub zu zweit nur etwa knappe 8,5 Prozent über dem Durchschnitt.

Fährkosten machen den Unterschied

Während die Kur- und Gästebeitragssätze, ebenso wie die Parkkosten auf dem Festland, sehr homogen sind, differieren die Fährkosten zu den einzelnen Inseln erheblich. Aufgrund der unterschiedlichen Strecken und Entfernungen werden Treibstoffkosten, die Instandhaltung der Fähren und der Infrastruktur sowie die Personalkosten eine entscheidende Rolle spielen. Doch bei allem Preisvergleich: Was für den einen lange Fährzeiten bedeutet, ist für den anderen pure Erholung auf dem Meer. Aus Sicht des Gastes sind die Logistikkosten eine feste Größe und damit berechenbar. Die Entscheidung für eine der sieben Inseln dagegen unterliegt vielen weiteren Voraussetzungen. Jede Insel hat ihre eigene Strahlkraft. Neben dem emotionalen Faktor (Inselliebe) und der bezahlbaren Unterkunft sind es auch die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, die sich auf den Inseln bieten.

Borkum ist die größte Insel mit der weitesten Anreise, dafür auch insgesamt die teuerste bei den logistischen Kosten. Zudem ist sie die einzige Insel ohne ein integriertes Online-Verfahren bzw. eine „InselCard“, so wie es alle anderen Inseln haben. Diese könnte zur organisatorischen Entlastung von Prozessen, z.B. der Berechnung und Bezahlung des Gästebeitrages, bei den Vermietern und bei den Gästen beitragen. Diese praktikablen Chipkarten sind mittlerweile Standard in vielen touristischen Orten, und nicht nur zeitgemäß, sondern gleichzeitig für viele unterschiedliche Angebote (z. B. Onlinebuchung, Gästebeitrag, Veranstaltungen, Nahverkehr, öffentlichen Toiletten) nutzbar.

Borkum ist auf dem Weg. Es ist aktuell eine spannende Zeit, verbunden mit der Frage, wie sich „unsere“ Insel dem Gast vorstellt, Angebote und Anreize schafft, das Inselerlebnis zu erhalten und zu fördern. Bleibt Borkum auch zukünftig für den Gast bezahlbar und attraktiv? Welche Klientel fühlt sich hier wohl? Wie werden sich Strände und Natur mit den Gezeiten verändern und wie werden sich demnach die Promenade und die Milchbuden anpassen? Wie wird das bisher gute kulturelle und kulinarische Angebot gefestigt und ausgebaut? Manches bleibt unberechenbar, für alles andere muss Borkum die richtigen Impulse und Lösungen vorgeben.